24. September 2013

Es wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird oder was lange währt wird endlich gut

Wie ist es eigentlich mit 25 Jahren wieder bei seinen Eltern einzuziehen.

Naja, leicht ist es nicht. Nicht wenn man zuvor 4 Jahre sein eigenes Reich hatte.

Auch wenn es nur ein Zimmer in einer WG war. Und erst recht nicht leicht, wenn man ein Auslandssemester gemacht hat und Erfahrungen gesammelt hat, die über die der Eltern hinaus geht.

In den letzten Wochen frage ich mich immer wieder, wie es die Familien in den Landidylle-Sonntagsabend-Fernsehdokumentationen schaffen. Dach bäckt die Schwiegertochter nette Kuchen, die Oma bastelt mit den Enkelkindern, der Opa geht mit Sohn und Enkelsohn in die Natur ... Ich könnte noch einige Beispiele nennen. Aber was ich mich immer frage: "Gibt es in diesen Familien keine Generationskonflikte?"
Oder überhaupt irgendwelche Auseinandersetzungen? Ist die Oma nicht böse, wenn nun die Schwiegertochter den Sonntagskuchen bäckt, obwohl es jahrelang ihre Aufgabe war? Und ist der Enkelsohn nicht davon genervt, dass er mit Anfang 20 noch immer nur die zurechtgesägten Holzscheite auf den Hänger laden darf? Ab wann darf er dann mal endlich selbst die Motorsäge schwingen?
Oder funktionieren diese Familien nur, wenn sich alle übermenschlich viel Respekt entgegenbringen und gerne ihre Aufgaben an andere weiterreichen.

Ich sehe es ja gerade selbst. Dabei habe ich nie den Drang gehabt, dass ich unbedingt mal hier ausziehen wollte. Ich war während des Studiums immer wieder gerne hier. Aber eben nur zu Besuch. Wenn man seine Wäsche in seiner eigenen Maschine waschen konnte. "Morgens" auch erst um 11 Uhr aufstehen konnte, weil man bis halb 2 wieder über den Büchern hing, und keine vorwurfsvollen Blicke zugeworfen bekommt. Oder eben immer erst genau vor dem Abendessen runter in den Supermarkt geht um die Hauptzutaten einzukaufen.
Aber trotzdem auch weiß, dass man immer wieder nach Hause kommen kann. Auch gerne für länger. Das aus seinem Kinderzimmer kein Bügelzimmer oder ein Bibliothek gemacht wurde, und man auch wirklich immer willkommen ist. Und in erster Linie zählt, dass man glücklich ist.

Allerdings gelten dann andere Gesetze, wenn man mit 25 wieder zurück kommt. Oder besser, es gelten immer noch die gleichen Gesetze. Es hat sich in 5 oder 10 Jahren nicht soviel an den alltäglichen Abläufen und Marotten geändert. Nur ich eben. Ich trinke meinen Kaffee jetzt schwarz. Ich trinke überhaupt jetzt Kaffee. Und auch gerne mehr als 2 Tassen. Es hat einige Wochen gedauert, bis wir uns alle zusammen entschlossen haben einfach eine zweite Kanne zu kochen.
Oder eben die Wäsche. Samstag wurde bei uns schon immer Wäsche gewaschen. Allerdings habe ich andere Waschpulvervorlieben als meine Mutter. (Ja so etwas gibt es. Und auch andere Weichspülervorlieben.) So musste ich lernen, dass ich für meine Wäsche einen anderen Waschtag finden musste. Und meine Mutter, dass sie meine Wäsche auch nicht waschen muss. Auch nicht, wenn sie auf dem darauffolgenden Samstag noch immer in meinem Wäschekorb in der Waschküche liegt.

Die sind nur zwei Beispiel. Aber mit 25 Jahren wieder Zuhause einziehen heißt sich neu einzuordnen. Würde man einfach da wieder weitermachen, wo man vor dem Auszug aufgehört hat, wäre es bestimmt leichter. Aber dann hätten sich die Erfahrungen der letzten Jahre gar nicht gelohnt. Das man besser vorher in den Schrank guckt, ob man noch saubere Bettwäsche hat, bevor man alle dreckige Bettwäsche (inklusive der gerade abgezogenen) in die Maschine zum Waschen gibt.

Warum ich das schreibe? Weil gerade heute wieder so ein Tag ist, an dem ich mich nicht mehr ein- und unterordnen möchte. Und es eine ganz hirnrissige Idee finde, zwischen Bachelor und Master, besser Zuhause einzuziehen, als irgendwo anderes zu wohnen, wo für die Miete, Fahrtkosten usw. schon die Hälfte meines Gehaltes draufgehen würde. Die Zeit lieber mit Praktika und Nebenjobs zu verbringen,und dabei hauptsächlich so wenig Geld wie möglich auszugeben. Dann aber auch noch mit der Abgabe der Bachelorarbeit ein 8 monatiges Fernstudium anzufangen. Wozu mir sonst die Zeit fehlen würde.

Anders muss ich auch sagen, dass ich nie mein Lädchen eröffnet hätte. Nie die Sandsäckchen zur Hochwasserhilfe genäht hätte. Nie das 2., weltbeste Praktikum in der schönsten Schule auf deutschem Boden gemacht hätte. (Oder habt ihr schon mal in Berlin leben können für 145€ im Monat,mit allem drum und dran?) Und vor allem habe ich hier die Freiheiten, die ich so oft in meiner WG vermisst habe.

Habe ich schon erwähnt, dass ich diese Woche noch Marmelade kochen möchte? Vielleicht sollte ich diese "kurze" Zeit Zuhause nochmal so richtig genießen. Denn nach dem Master werde ich wohl nicht mehr zurück kommen ...

Hätte ich mir die Überschrift besser vor dem fertigen Post überlegt! Nun möchte ich alles nur noch ganz positiv sehen und gar nicht mehr so schlimm finden. Das Wort und hat heute übrigens den Rekord mit 21 Auftritten gebrochen.

Kommentare:

  1. Naja, es gibt schon Konflikte in den Mehrgenerationenhäusern. Wir leben in so einem, aber nunja... meine Eltern wissen aus eigener Erfahrung wie doof das ist, wenn sich die eigenen Eltern übermäßig einmischen. Deswegen funktioniert es gut, weil sie sich gut zurücknehmen können. Wir sind eigentlich nur dankbar, weil sie uns viel helfen mit den Kindern. Alleine zurück zu den Eltern zu ziehen ist da schon ein anderes Kaliber...
    LG
    Kerstin

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  2. Hallo Juli- es ist eben im richtigen Leben nicht wie in diesen bewußtseinsverändernden Landidylle-Sonntagsabend-Fernsehdokumentationen.Bei mir hat das manchesmal zur Folge, daß ich mich frage - was stimmt mit Dir nicht??? Das ist doch deprimierend. Deswegen einfach nicht anschauen oder als das nehmen was es ist - Märchen in Bildern....
    UNd was das zurückkommen betrifft - habe ich gleich 2 x gemacht - und Reibereien bzw. Reibepunkte muss es doch geben - weil wie Du ja schreibst - frau sich entwickelt hat bzw. eigenes Leben gelernt hat. Reden hilft und beide Seiten dürfen nicht gleich so angep.... sein, wenn man mal was anders machen möchten. Und Ihr habt ja schon einige Kompromisse gefunden !!
    Ich stehe gerade auf der anderen Seite: mein Sohn geht ins studium hinein und ich kann Dir sagen - ich fühle mich einfach nur schlecht. Denn eigentlich - das Kind kommt nie wieder - halt nur zu Besuch. Ein schwerer Schritt für mich - und für unsere Familie eine große Veränderung...
    Alles Gute für Deine Projekte Rosa

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  3. Hey Juli, ich kenn dieses Gefühl. Musste vor ein paar Jahren für ein paar Monate bei meinen Eltern wohnen, weil meine Wohnung saniert wurde und plötzlich war ich wieder Kind. Nach 6 Jahren alleine Leben hat man so seine Marotten, die dann mit den eingefahrenen Strukturen des Elternhauses kollidieren. Ich wusste dass es nur für 3Monate ist, deswegen war es auszuhalten, aber so sehr ich meine Familie liebe (über alles) ich bin froh alleine in meiner viel zu teuren WG zu leben und die Küche auch mal ne Woche versiffen zu lassen. ;)
    Was für ein Fwhrnstudium machst du denn noch nebenbei?
    LG Jule

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  4. Ich finde deinen Blog total toll!
    Wo und wie lange warst du denn im Auslandssemester? Und was für einen Master machst du übers Fernstudium? Weil ich auch gerade überlege, neben meiner selbstständigkeit noch einmal zu studieren...
    Viele Grüße aus Berlin
    Fiona

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Ich freue mich über jedes Feedback :) Danke schon mal.