21. März 2013

Was wollen wir eigentlich?


Nach meinem Lernmarthon hatte ich gestern Abend endlich mal wieder das Vergnügen raus unter Menschen zu gehen. Bisschen die Jugend feiern. Und dann der berühmt berüchtigte Heimweg, den ich gerne zu Fuß antrete, auch wenn es mehr als 2 km sind. Aber genau diese Heimweg, bei denen man mit jedem Schritt immer nüchterner wird, entstehen doch immer die schönsten Gedanken.

Und dieses Mal war es wieder, eines meiner Lieblingsthemen. Un zwar  was wollen wir Frauen, und wie wollen wir behandelt werden?

Ich kann da jetzt nur für mich sprechen, aber dass wir Frauen nicht die leichtesten Geschöpfe auf der Erde sind, dass wissen wir wohl.

Ich persönlich, mag ja doch eher Gentlemans. Ich leibe es, wenn mir dir Tür aufgehalten wird, wenn man mir den Vortritt lässt und mich nach Hause bringt. Mir meine Jacke abnimmt und sie zur Garderobe bringt. Aber anders herum mag ich es absolut nicht, wenn man mir in die Jacke hilft, oder die Autotür aufhält. Beim Essen gehen möchte ich zwar eingeladen werden, aber vorher gefragt werden. Ich möchte selbst entscheiden ob ich mich beteilige oder nicht. Ich würde mich übergangen fühlen, wenn man mich, wie selbstverständlich einlädt. Aber genauso gerne sage ich auch, dass er gerne die Rechnung übernehmen kann, wenn es anbietet.

Einerseits sind wir Frauen emanzipierter als nie zuvor, aber möchte ich das? Ich liebe meine Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, die ich als Frau in unserer Gesellschaft genießen kann und darf. Keine Frage. Aber auf der anderen Seite, liebe ich auch einige Vorzüge, die unsere Urgroßmütter erleben durften.

Zwar möchte ich nicht die Frau am Herd sein, deren Aufgabe es ist, das Essen pünktlich auf den Tisch zu bringen, die Familie zu versorgen und den Haushalt allein zu schmeißen. Aber auf der anderen Seite finde ich es unheimlich bestätigend, seine eigene Marmelade kochen und essen zu können. So gut wie jeden Sonntag einen Kuchen zu backen. Wie bei Oma eben. Zum Wochenende ist immer Kuchen da.

Natürlich leben wir in einer Wegwerfgesellschaft. Und für mich ist es das Größte, genau daraus auszubrechen. Eben meine eigene Marmelade zu kochen, den Pizzateig selbst noch, aus einem Stück Hefe, zu kneten und nicht einfach den nächsten Lieferdienst anzurufen, oder in den nächsten Supermarkt zu gehen. Wieder einen eigenen Garten an zu legen, und stolz meine eigene Ernte einfahren kann. Und wenn es nur die Kräuter und Erdbeeren im Balkonkasten sind. Bei denen nie genügend Erdbeeren zusammen kommen werden um daraus einen Erdbeerkuchen zu machen. Und ich dann letzten Endes doch zum Erdbeerfeld fahre, um den Rest noch zu pflücken.

Ich habe beispielsweise einen Segelkurs gemacht. Und habe sehr gerne die Pinne (quasi das Ruder) an einen männlichen Kursteilnehmer abgegeben. Aber auch nur um mich dann anschließend zu beschweren, dass er doch nicht ganz so waghalsige Manöver fahren soll. Ich wäre ganz sicher gemütlich über den Bodden geschippert und hätte etwas geplaudert und die Natur genossen. Aber in positiver Erinnerung sind mir dann doch die waghalsigen Wendemanöver, bei denen ich glücklicherweise nicht aus der Jolle gefallen bin, geblieben. Eben mal das Ruder komplett abgeben.

Ich mag diese Nächte, in denen man sich noch mal ins Gedächtnis ruft, was man so macht und was man so möchte. Das ich eben die Jacke gerne abgenommen bekomme, aber eben nicht hinein geholfen werden mag.  Dass meine Ansichten und Entscheidungen nicht immer effektiv sind und es auch schwierig ist den richtigen Weg zu finden, dass steht wohl außer Frage. Aber genau macht das Leben eben lebenswert und bunt.

Kommentare:

  1. Oh Juli, das hast du richtig richtig schön geschrieben! Ich finde mich in vielen Punkten wieder!
    Einerseits sind wir unabhängig, verdienen unser eigenes Geld (oder studieren wie du, um es später dann zu verdienen), regeln alles selbst usw usf. Andererseits ist es auch schön, zu manchen "alten" Werten zurück zu kehren oder diese wieder zu finden. Selber Brot backen, eigene Marmelade machen, nähen, häkeln, etwas selbst erschaffen. Irgendwie holt einen das auf den Boden, wenn wir doch so in einer globalisierten Welt leben und heute hier, morgen dort sein können.
    Klar bin ich emanzipiert und man führt eine gleichberechtigte Beziehung, diskutiert mit dem Freund, welche Versicherung für wen die beste ist oder wieviel Geld man wofür ausgibt. Andererseits ist es schön, wenn man sich in einer fremden Stadt einfach bei ihm unterhakt und sich auf seinen Orientierungssinn (oder zur Not sein Handy mit google maps ;-) verlassen kann und weiß: "er macht das schon".
    Ich glaube die Mischung machts. Nicht auf-Teufel-komm-raus das emanzipierte Weib, aber auch nicht das Mütterchen am Herd.
    Liebe Grüße
    Goldengelchen

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  2. Schön! Du sprichst damit sicherlich vielen Frauen unserer Generation aus dem Herzen. Und irgendwie mag ich mich selbst als Frau fühlen und doch meinen sogenannten Mann stehen.

    Hab einen schönen Tag, egal ob nun im Gartenbeet, am Herd oder doch am Ruder ;)

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    1. Juliiiii, melde dich bitte bei mir bzw. guck mal in meinen heutigen Blogpost, dann weißt du bescheid ;)

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  3. Ein ganz toller Post und ich muss sagen, du sprichst mir aus der Seele. Werde künftig öfter bei dir lesen :-)

    Liebste Grüße zu dir :-)

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Ich freue mich über jedes Feedback :) Danke schon mal.