8. Januar 2013

Von Tag zu Tag - Die stille Stunde


Nun sind wieder fast alle aus den Feiertagsferien/Weihnachtsurlaub/Feiertagsstress zurück und der Alltag hat einen schneller wieder als einem lieb ist. Oder man ist wieder alleine zurück in seiner Wohnung, weit ab von all den lieben Menschen, an seinem Studien-, Ausbildungs- oder Arbeitsort. Man braucht erst Mal keine Geschenke mehr basteln und auch nicht mehr überlegen worüber sich  andere freuen würden. Man hat wieder Zeit für sich. In dem alten Mädchenbuch "Von Tag zu Tag" aus dem Jahre 1954 habe ich etwas passendes dazu gefunden. Meine Lieblingsstelle dieses Mal war: "Daheim aber will der Mann für seine Probleme, seine Ideen und Sorgen in seiner Frau einen ebenbürtigen Gesprächspartner haben, denn er weiß, dass sie ihm bei ihrem oft sehr viel sichererem Gefühl für Menschenbehandlung und Situationen wichtige Fingerzeige geben kann."



"Manche Menschen wissen nichts mit sich anzufangen. Sobald sie allein sind, fühlen sich die Unglücklichen einsam und verlassen. Sie können sich nicht selbst Gesellschaft leisten, sondern brauchen andere Menschen oder doch wenigstens einen Wellensittich, um sich wohl zu fühlen. Es fehlt ihnen das Ruhen in sich selbst, die Kraft, den eigenen Menschen zu ertragen, die Fähigkeit, eine stille Stunde zu erleben und ihre Früchte zu ernten.
Es ist also gewissermaßen eine Kunst, sich niemals zur Last zu fallen. Aber wenn man diese Kunst beherrscht, kann das Gefühl der Langeweile niemals aufkommen, wenn mal allein ist, sondern nur, wenn man gezwungen wird, Gesellschaft anderer zu ertragen, die einem nichts zu geben haben, die aber auch nichts von einem annehmen mögen. Dann fehlt nämlich die Spannung, die eine echte menschliche Beziehung braucht, alles ist schlaff und - eben langweilig. Und das gleiche tritt auch ein, wenn man in sich selbst keine Spannung hat, wenn man keine interessanten Selbstgespräche mit sich führen kann. Das Leben trägt täglich so unendlich viel Neues an uns heran, dass man Ruhe braucht, um die Gedanken zu ordnen und weiter zu entwickeln, Klarheit zu bekommen, zu urteilen und zu schließen - kurz, die geistige Nahrung zu verdauen, die man in sich aufgenommen hat.


Damit soll freilich nicht gesagt sein, dass die stille Stunde nur dem Selbstgespräch vorbehalten sein muss. Es bietet sich eine ganze Anzahl von unaufdringlichen Gesellschaftern an, die jederzeit bereit sind, uns die Zeit zu vertreiben, uns anzuregen oder zu belehren. Unter ihnen verdient das Buch den ersten Platz. Die Menschen, mit denen wir umzugehen haben, können wir uns nicht immer aussuchen. Wenn wir von Schulbüchern absehen, so richtet sich unser Umgang mit Büchern ausschließlich nach uns selbst. Gefällt uns eines nicht, lassen wir es einfach stehen, und es kann uns nicht böse darum sein. Man soll sich niemals dazu zwingen, ein Buch durchzuackern, das einem empfohlen wurde, weil man es angeblich gelesen haben "muss". Es gibt so unendlich viele gute Bücher, und jedes Jahr kommen neue hinzu, dass man beim besten Willen nicht einmal einen Bruchteil von denen lesen könnte, die man kennen sollte oder möchte. Man muss den Mut haben, ein Buch zuzuklappen und ein anderes zu beginnen. Häufig liegt es allerdings nicht an dem Buch, dass keine Beziehung zwischen ihm und dem Leser zustande kommt. Wir dürfen also nicht übereilt schließen, das Buch sei schlecht, wenn es uns nicht zusagt. Vielleicht sind wir noch nicht reif genug für die Probleme, um die es geht. Wenn wir den Versuch nach einiger Zeit wiederholen, sind wir oft überrascht. Wir lesen es mit ganz anderen Augen, es erschließt uns seine damals verborgenen Gedanken, der Kontakt ist da. Oft geht es uns ähnlich mit den sogenannten Klassikern, den großen Büchern der Weltliteratur, die zu Marksteinen der geistigen Entwicklung
der Menschheit geworden sind. Sie wurden zu Zeiten geschrieben, die längst vergangen sind. Seitdem hat sich viel geändert, so dass wir durch ein solches Buch in eine fremde Umgebung versetzt werden. Sobald aber Interesse und Verständnis für diese Zeitumstände in uns erwacht sind, werden wir nicht nur Freude und innere Bereicherung erfahren durch das Buch, das uns damals noch unzugänglich war, sondern auch seine Bedeutung erkennen.

Die verwirrende Vielzahl guter Bücher fordert die Frage heraus, was und wie man lesen soll. Die meisten Menschen sind in ihrer Lektüre völlig plan- und ziellos. Ihr Weltbild ist daher verschwommen, ihre Bildung lückenhaft. Es ist unmöglich, einen Leseplan aufzustellen, der allgemeine Billigung fände. Die Ansichten sind zu verschieden, welche Bücher als Meisterwerke der Weltliteratur anzusprechen sind; und wenn man zehn anerkannte Fachleute bitten würde, eine Liste der zwanzig nach ihrer Meinung besten Bücher aller Völker und Zeiten aufzustellen, hatte man wahrscheinlich zwanzig verschiedene Listen.
Ich kann eigentlich nur das empfehlen, was ich selbst ausprobiert habe. Mit 15 Jahren entdeckte ich im Bücherschrank meiner Eltern eine Geschichte der Weltliteratur. Ich fand es so interessant, sie zu studieren, dass sie zu meinem ständigen Berater wurde. Die Bücher, auf die ich neugierig war, beschaffte ich mir von der Stadtbibliothek und hatte bald einen erheblichen Verbrauch. Wenn mir ein Band von Dickens gefallen hatte, holte ich mir einen anderen desselben Schriftstellers, wenn ich durch Mereschkowskis "Leonardo da Vinci" für die italienische Renaissance entflammt worden war, versuchte ich mein Wissen durch Jacob Burckhardts „Kultur der Renaissance in Italien" zu erweitern.


Wenn man so vorgeht, ergibt eines das andere, und der Kreis erweitert sich immer mehr, mal nach dieser, mal nach jener Seite. Es ist also kein starrer Plan, sondern eine Methode, nach der man verfahren sollte. Jeder Mensch wird hierbei verschiedene Wege gehen und sich seine Lesegebiete ganz nach eigenem Geschmack auswählen. Man muss allerdings acht geben  dass man nicht zu lange in einer Richtung marschiert, dass man sich nicht von einem Thema oder einem Schriftsteller bei der Hand nehmen lässt und sie lange nicht wieder loslässt. Dann wird der Gesichtskreis nämlich nicht rund, sondern einseitig und eng. Der Möglichkeiten zu neuen Ausblicken sind so viele, dass unsere Unternehmungslust nie erlahmen sollte. Im Gegenteil, immer neue Spuren aufzunehmen und zu verfolgen, sollte unser Bestreben sein. Es wäre auch grundverkehrt, sich nur mit Büchern zu beschäftigen, die in vergangenen Zeiten geschrieben wurden oder von vergangenen Zeiten handeln. Wir sind Kinder unserer Zeit und müssen uns mit ihr auseinandersetzen.

Freilich kann und soll man auch von der älteren Literatur Parallelen zu eigenen Erfahrungen ziehen, so zum Beispiel von Molières "Eingebildetem Kranken" zu einem Menschen, der sich ähnlich gebärdet und dessen Eigenarten man plötzlich besser versteht. Man lernt dadurch viel für sich selbst und erkennt, dass gewisse Probleme den Menschen von jeher beschäftigt, dass sie im Grunde stets die gleichen geblieben sind. Deshalb verlieren auch die großen Werke der Weltliteratur niemals an Wert. Sie haben Allgemeingültigkeit über Raum und Zeit hinweg. Zwar gibt es genügend ausgesprochene Gegenwartsprobleme, die von zeitgenössischen Schriftstellern verarbeitet, verdichtet wurden. Nur wenige dieser Bücher werden vielleicht in die Weltliteratur eingehen, für uns aber besitzen sie unmittelbare Bedeutung. Das Kommen und Gehen geistiger Strömungen ist ein lebendiger Vorgang mit allen seinen Kennzeichen: Aussaat, Blüte und Absterben. Was von unseren Großmüttern als wesentliche Gegenwartsliteratur angesehen wurde, ist heute mit wenigen Ausnahmen ebenso verschwunden wie Pferdedroschke und Plüschsofa. Die Auswahl aus der modernen Literatur ist vor allem zu Beginn unserer Entdeckungsreise in das Land der Bücher viel schwieriger als die aus der älteren Literatur. Keine Literaturgeschichte dient uns als Wegweiser, es gibt keine festen Maßstäbe, nach denen wir uns richten können. Man hört da widersprechende Ansichten und muss sich auf Empfehlungen von Freunden, Buchhändlern und Kritikern verlassen, deren Besprechungen man in Zeitungen und Zeitschriften findet und unbedingt verfolgen soll. Nach und nach werden sich aber Geschmack und Urteilskraft immer mehr bilden und festigen, so dass die Enttäuschungen seltener werden. Man wird zwischen einem guten und schlechten Buch unterscheiden lernen, man wird kritisch sein, um die knappe Zeit, die zum Lesen verfügbar ist, nicht an Bücher zu verschwenden, die nichts zu unserer Bildung im weitesten Sinne des Wortes beizusteuern haben. Bildung aber bedeutet Formung der Persönlichkeit in ihrem Aufbau und ihrem Wert. Bildung hat also nichts mit Wissen zu tun. Ein Chemiker zum Beispiel kann ein ungeheures Wissen besitzen und dennoch ein ungebildeter Mensch sein. Es kommt daher auch nicht darauf an, viel zu lesen, sondern richtig auszuwählen und gut zu verarbeiten.
Sobald die echte Liebe zum Buch entbrannt ist, wird man sich nicht mehr damit begnügen, die Bände aus der Stadtbücherei zu entleihen, denn man möchte seine Lieblinge um sich haben. Dieses Verlangen ist die Triebfeder zum Aufbau der eigenen Bibliothek, ihre Zusammensetzung ein Abbild der Persönlichkeit des Besitzers. Bis zu einem gewissen Grad ist dies allerdings eine Kostenfrage. Es gibt aber heute so viele Bücher in preiswerten Volks- und Taschenbuchausgaben, dass man mit geringen Mitteln allmählich einen ansehnlichen Bestand von wertvollen Büchern zusammentragen kann. Geschenke von Freunden und Verwandten werden hierbei helfen.
Wir haben bereits gesagt, es sei unmöglich, einen Leseplan aufzustellen. Nach einem solchen Schema vorzugehen, wäre auch arg pedantisch, denn es raubt uns den größten Teil der
Entdeckerfreude. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen, und ob er auf diesem Weg mit Gustav Freytag, Felix Dahn, Josef Viktor von Scheffel, Adalbert Stifter, Conrad Ferdinand Meyer, Gottfried Keller, Wilhelm Raabe,Theodor Fontane, mit Dmitri Meresdikowski, Alexandre Dumas, Robert Louis Stevenson, Charles Dickens, William Makepeace Thackeray oder Selma Lagerlöf die ersten Schritte macht, spielt letzten Endes eine untergeordnete Rolle. Wenn du aber an ihren Romanen Freude gehabt hast, wird dein Gesichtskreis weiter geworden sein, und du wirst Ausschau halten nach den Romanen der großen Russen und Franzosen, nach Tolstoi, Dostojewski, Balzac und Flaubert, und du wirst nicht mehr von ihnen lassen können. Sollte dir dann ein seichter Schmöker in die Hand fallen, wird er dir nicht mehr spannend vorkommen, sondern du wirst ihn gelangweilt beiseitelegen, weil er dir nichts mehr zu sagen hat. Wenn wir so lange bei Büchern verweilt haben, so darum, weil das gute Buch der treueste und wertvollste Gesellschafter ist, mit dem wir unsere stille Stunde teilen können. Wenn wir nicht zum weltfremden "Bücherwurm" werden wollen, dürfen wir uns aber mit ihm allein nicht zufrieden geben. Was Tag für Tag in unserer Stadt, in unserem Land, in der Welt geschieht, ist so vielfältig, interessant und wichtig zu wissen, dass man sich darüber unbedingt auf dem laufenden halten sollte, indem man regelmäßig und gründlich die Z e i t u n g liest. Früher war das ein Vorrecht des Hausherrn. Frauen lasen kaum mehr als die Unterhaltungsbeilage, den Fortsetzungsroman, die Frauenseite und „Neues aus aller Welt". Heute ist die Frau dem Manne gleichgestellt. Das darf nicht als ein belangloser Gesetzesparagraph aufgefasst werden, sondern als die Einräumung eines sehr bedeutsamen Rechtes, das freilich auch die Übernahme einer Verpflichtung mit sich bringt. Wir dürfen uns also nicht mehr auf den Standpunkt stellen: „Ach, Politik ist so langwellig  das sollen die Männer machen", nein, wir müssen zeigen, dass wir auch darin unseren „Mann« stellen, wie es eine ganze Anzahl von Bürgermeisterinnen, Abgeordneten, Richterinnen und Journalistinnen bereits tun. Dabei ist es gar nicht erforderlich, selbst nach Amt und Würden im öffentlichen Leben zu streben. Auch im ureigensten Frauenberuf, dem der Hausfrau und Mutter, ebenso wie in Büro und Fabrik, Krankenhaus und Schule treten Aufgaben an uns Frauen heran, die wir besser meistern können wenn wir "Bescheid wissen". Wir brauchen diese Kenntnisse also in erster Linie zur Abrundung der Persönlichkeit, und nur als Persönlichkeit können wir Erfolg im Leben haben. Hierbei ist nicht allein an die materielle Seite des Erfolges gedacht, an Stellung und Einkommen, sonder ganz besonders an den Erfolg im Umgang mit Menschen, im Umgang mit Männern.
Wir wollen uns offen gestehen, dass dieser Punkt in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung für uns zunehmen wird, und darauf müssen wir uns vorbereiten. Vorüber sind die Zeiten, in denen die Interessengebiete von Mann und Frau weit auseinander lagen — hier Beruf, Wirtschaft und Politik dort Haushalt, Kinder und Klatsch — in denen sich kaum geistige Berührungspunkte ergaben. Der Stammtisch für die Männer und das Kränzchen für die Frau waren die Treffpunkte, wo eine Diskussion zustande kam, wo geistige Spannungen auftraten und ausgeglichen wurden. Daheim las Großvater die Zeitung und Großmutter strickte. Heute kommt man im bunten Kreise zusammen und führt eine Unterhaltung, bei der sich Männer und Frauen auf gleicher Ebene begegnen. Daheim aber will der Mann für seine Probleme, seine Ideen und Sorgen in seiner Frau einen ebenbürtigen Gesprächspartner haben, denn er weiß, dass sie ihm bei ihrem oft sehr viel sichererem Gefühl für Menschenbehandlung und Situationen wichtige Fingerzeige geben kann.


Je eher man sich also daran gewöhnt, die Zeitereignisse zu verfolgen, desto besser. Der politische Leitartikel kommentiert stets ein aktuelles Problem von höherer Warte, er greift also aus dem, was gerade "los" ist, ein wichtiges Thema heraus, beleuchtet es von allen Seiten und äußert eine Meinung dazu. Hierzu im Gegensatz stehen die Nachrichten, die sich auf die nüchterne Darstellung der Tatsachen beschränken und es dem Leser überlassen, sich selbst seine Meinung zu bilden. Es würde zu weit führen, auf all das einzugehen, was eine Zeitung enthält. Die Redaktion gliedert sich meist in die Ressorts: Politik, Feuilleton, Lokales, Wirtschaft, Sport. Daraus ergibt sich die Gliederung des Inhalts. Wichtig ist insbesondere das Feuilleton, mit anderen Worten die Abteilung für Kultur, die unter anderem Theater-, Konzert- und Filmkritiken, Berichte über Kunstausstellungen und die schon erwähnten Buchbesprechungen bringt. Diese Dinge sollte man sehr aufmerksam verfolgen.

Das Wesentliche bei der Zeitungslektüre ist wie beim Lesen von Büchern nicht das Ansammeln von Wissen, sondern die Erweiterung des Gesichtskreises. Es kommt darauf an, sich einen Überblick über die Zeitereignisse zu verschaffen, die Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dazu ist erforderlich, dass man lernt, zwischen den Zeilen zu lesen und nicht jedes Wort als bare Münze zu nehmen.
So wichtig die Zeitung für die Erweiterung des Gesichtskreises ist, so entbehrlich ist die illustrierte Zeitschrift. Während die eine Tatsachenmaterial für eigenes Denken liefert, will die Illustrierte den Lesern das Denken nach Möglichkeit ersparen. Sie erzieht also zur Gedankenträgheit, denn das Betrachten von Bildern stellt weit weniger Anforderungen an die Geistestätigkeit als das Lesen.
Die weite Verbreitung soldier Zeitsdiriften ist daraus zu erklären, dass der moderne Mensch nach der aufreibenden Tätigkeit des Alltags im Durchblättern von Illustrierten eine anspruchslose Form der Zerstreuung findet. Insofern erfüllt die illustrierte Zeitschrift zweifellos eine Aufgabe.
Gelegentlich in kleinen Mengen genossen,ist sie ein harmloser Zeitvertreib, der leere Viertelstunden in Straßenbahnen und Wartezimmern auszufüllen vermag. Aber in unserer stillen Stunde wollen wir ihr lieber nur ein ganz bescheidenes Plätzchen einräumen, denn die kostbaren sechzig Minuten können wir anders viel besser nutzen. Zum Beispiel steht da vielleicht ein kleiner Radioapparat in deinem Zimmer. Auf ein Drehen des Knopfes spricht oder musiziert er.


Das reichhaltige Programm verschiedener Sendestationen bietet so viel Anregendes und Unterhaltendes, dass die Wahl oft schwerfällt. Hörspiele und Sinfoniekonzerte, Vorträge und Buchbesprechungen werden unsere stille Stunde bereichern, Bunte Abende und Unterhaltungsmusik uns in fröhliche Stimmung versetzen, wenn uns danach zumute ist. Nur wollen wir es uns zur Regel machen, den Radioapparat nicht dauernd in Betrieb zu halten, wie es so viele Menschen tun, die ohne das gewohnte Geräusch nicht mehr sein können. Staubwischen kann man auch, ohne die Wasserstandsmeldungen dabei anzuhören, und lesen kann man nur, wenn die Stunde wirklich still ist. Es liegt viel Wahres in dem Ausspruch eines klugen Mannes: „Der größte Vorteil eines Radioapparates ist, dass man ihn abstellen kann." Das wollen wir beherzigen und es auch auf das jüngste Kind der Unterhaltungsindustrie, den Fernsehapparat, anwenden.
Wie wir unsere stille Stunde ausfüllen, wird uns nun keinen Kummer mehr machen.
Es kommt ja noch allerhand hinzu, für das auch Zeit gefunden werden soll. Da haben sich zum Beispiel eine Menge Fotos angesammelt, die darauf warten, endlich einmal ins Album geklebt zu werden. Ähnlich geht es dir vielleicht mit deinen Briefmarken. Sind nicht auch Briefschulden zu erledigen und mahnt nicht dein Tagebuch, dass du ihm deine Erlebnisse und Gedanken anvertrauen mögest, Gedanken, die sich vielleicht erst beim Niederschreiben erlösend entwirren? Handarbeiten wollen auch gemacht sein, sei es, dass ein Pulli gestrickt werden muss, sei es, dass du gern malst oder etwas bastelst. All dass wird dir die stille Stunde zu einem wirklichen Bedürfnis werden lassen, zu einer stehenden Einrichtung, die du nicht missen möchtest. Du wirst sie aber nicht nur genießen, sondern du wirst empfinden, wie sie dich bereichert, indem sie Werte ansammelt, die dir in deinem ganzen Leben sehr zustatten kommen werden. In den Jahren vor Zwanzig hast du am meisten Zeit für dich selbst, mehr Zeit, als du jemals wieder haben wirst. Nutze sie gut!"












1 Kommentar:

Ich freue mich über jedes Feedback :) Danke schon mal.