12. Februar 2013

SockenLiebe


In Stockholm auf dem Hauptbahnhof habe ich Hagen kennen gelernt. Er kam aus Köln und wollte eine Freundin in Uppsala besuchen. Lena hatte mir schon erzählt, dass ihr Freund Hagen heute Abend mit dem Flug aus Köln kommen wird. Wir fuhren dann zusammen mit dem Zug nach Uppsala. Ich habe ihm dann erzählt, dass ich von seiner Ankunft schon erfahren habe, beim Stricknachmittag mit Lena, Lynn und Heike.
Er kam direkt ins Schwärmen, dass er es so toll findet, dass es wieder Mädels gibt die Stricken. Und das auch er ein Paar Socken von Lena bekommen hat. Und natürlich findet er diese Socke total fantastisch. So viel Liebe wie in so einem Paar steckt, mal abgesehen von der Arbeit. Und er müsse immer an Lena denken, wenn er ihre Socken an habe. Es sei etwas ganz besonderes Socken von einem Mädchen geschenkt zu bekommen.


Damals habe ich gelächelt, denn ich hatte das Bild meines Mitbewohners im Kopf, der Tage lang die selbstgestrickten Socken seiner Freundin an hatte. Er hat sie immer getragen, wenn er zu Hause war. Das war wohl seine seelische Verbindung zu seiner Freundin, die 700 km entfernt von ihm ihr Auslandssemester absolvierte.

Zu Weihnachten erreichte mich eine Karte von Hanna. Sie schrieb mir, dass sie immer an mich denken muss, wenn sie über ihre durchgefrorenen Füße meine gestrickten Socken, mit dem traditionellen Gotland-Muster, zieht.
Und auch eine Freundin meiner Mutter habe ich im Herbst, zum Geburtstag, ein Paar Kniestrümpfe gestrickt. Denn im letzten Jahr hatte sie sich auf Arbeit schmerzhafte Frostbeulen zugezogen. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass es so etwas wirklich gibt.
Auch sie erzählt mir bei jedem Treffen, wie sehr sie meine Socken mag.

Das alles viel mir wieder ein, als ich ein neues Paar Socken angefangen habe. Dieses Mal nur für mich. Denn ich wollte schon immer warme einfarbige Socken haben.


Also muss an Hagens Worten etwas dran sein. Verschenkte selbstgestrickte Socken bauen eine ganz besondere Beziehung zwischen dem Beschenkten und Schenker auf. Wahrscheinlich eine sehr einseitige Beziehung, außer man schenkt selbst auch ein Paar, so wie ich es mit meiner Mutter immer mache.

Ich weiß nicht, ob es nur bei Socken so ist. Denn ich könnte es mir bei allen Dingen vorstellen. Aber vielleicht sind Socken so etwas einfaches, was wirklich jeder jeden Tag braucht. Bei Handschuhen und Mützen ist es ja nur für ein paar Tage im Jahr. Socken dagegen braucht man doch fast immer. Und wenn es nur die kuschligen Bettsocken sind, die die kalten Füßen wieder erwärmen und einen zufrieden einschlafen lassen. Vielleicht ist es genau das, was die Socken so besonders macht und von Handschuhen, Mützen und Schals unterscheidet. Die man zudem auch nur außer Haus trägt. Socken erfüllen vielleicht ein weiters Grundbedürfnis, dass der warmen Füße, ohne das wir, wie bei Hunger oder Durst, nicht die selben wären.


Zudem finde ich die Vorstellung an sich sehr romantisch. Das Mädchen strickend und ganz in den Gedanken bei ihrem Jungen, sitzend. Die dann nach einiger liebevoller Arbeit die fertigen Socken einpackt und ihrem Jungen zukommen lässt. Der die Socken dann immer trägt, wenn er in Gedanken ganz bei ihr sein möchte oder eben wenn er ansonst kalte Füße hätte.







Kommentare:

  1. Ganz toll Gedanken! Und dann fiel mir wieder ein, dass ich gar nicht stricken kann - leider. ;)

    Liebste Grüße
    Franse

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    1. Schenkt mir bitte jemand ein "E", dann würde ich lösen: tollE Gedanken ;)

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  2. Wow, was du alles kannst. Sockenstricken steht auch auf meiner Liste der Dinge, die ich irgendwann mal lernen möchte. Ich liebe gestrickte Socken und werde damit sehr gut von meiner Mama und meinen beiden Omas versorgt.
    Liebe Grüße aus dem Holunderweg
    Natalie

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Ich freue mich über jedes Feedback :) Danke schon mal.